„WIR sind Union…“

„WIR sind Union…“

„Wir’s“ gibt es doch viele auf der Welt, aber wer oder was ist dieses ominöse Unioner „Wir“ eigentlich, fragen sich in diesen Tagen viele, die bis dato nur selten oder eher oberflächlich ihren Blick nach Köpenick haben schweifen lassen.

Ja, diese „Wir´s“ tauchen überall auf. Es gibt sie in der Firma unter Kollegen, in diversen Organisationen und angeblich sogar innerhalb von politischen Parteien. Es gibt sie im Schachklub, unter Bikern sowie den Nachbarn in der Kleingartenkolonie. Manche „Wir’s“ werden einem vom Leben einfach ungefragt verpasst, manche aber entstehen ganz von selbst.

Ein ganz besonderes „Wir“, so zumindest behaupten all jene, die sich ihm zugehörig fühlen, hat seine Wurzeln eben im wunderschönen Berlin Köpenick. Ein „Wir“, welches unterschiedlichste Menschen, auch weit über diesen südöstlichen Bezirk der Hauptstadt hinaus verbindet.

Natürlich ist hier die Rede von der Gemeinschaft des 1.FC Union Berlin, oder vielmehr von all den Menschen, die sie ausmachen.

Aber warum glauben jene Unioner, dass die ihre so besonders wäre?

Ich selbst bin seit fast vierzig Jahren einer von ihnen und versuche es einfach mal mit wenigen Worten und aus meiner Perspektive zu beleuchten. Dabei kann ich allerdings nicht garantieren, dass ich nicht ein wenig ins Schwärmen gerate, schließlich trage ich die Unionbrille nicht ausschließlich zum Zweck des besseren Durchblickes.

Im Grunde genommen reden wir über ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, welches egal wo es auftritt, immer auf gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Wertvorstellungen, oder einem gemeinsam erlebten Empfinden basiert.

Genau diese bei Union bis heute gelebten und von Generation zu Generation weitergereichten Werte, die zusammen bestrittenen Wege und die von vielen mitgeschriebene Geschichte, machen für mich das einzigartige Gefühl innerhalb dieser Familie, so nennen wir unsere Gemeinschaft nämlich liebevoll, aus.

Der kleinste gemeinsame Nenner damals wie auch heute, ist ganz sicher die Leidenschaft für den Fußball. Steht selbige in anderen Vereinen aber oft an allererster Stelle, scheint sie bei den Eisernen manchmal nur Priorität zwei oder sogar drei zu besitzen. So ist der sportliche Erfolg zwar auch für uns etwas Wunderbares, aber viel bedeutsamer als das Gewinnen oder das Verlieren, ist dieses Gefühl bei Union zu Hause und unter Freunden zu sein. Unser „Eisernland“, also jenes weitläufige Gebiet rund um die wunderschöne, immergrüne Alte Försterei, erleben wir immer wieder als ein magisch anziehendes Stückchen Heimat, in welchem so viel Liebe, Herzblut und viele über Generationen erlebte Geschichten stecken.

„…zwischen Wiesen und Wäldern, Tälern und Seen, oh Köpenick du bist wunderschön.“

Ich glaube die Wurzeln für dieses Empfinden liegen etwas weiter zurück und haben viel mit der Geschichte des stets klammen Vereins zu tun. In zwei politischen Systemen musste er sich genauso wie viele seiner Mitglieder und Fans oft durchbeißen, zeitweilig um´s Überleben kämpfen und immer etwas kreativer als andere sein, um am nächsten Tag noch zu existieren.

Dies war aus meiner Sicht oft nur möglich, weil die Menschen die diesen Verein bis heute tragen, ihn scheinbar wie ein Spiegelbild ihrer selbst ins Herz geschlossen haben und darüber hinaus selten gewordene Eigenschaften gemein zu haben scheinen.

„Union Berlin, Du bist janz jenau wie ick…“

So haben die Eisernen trotz zunehmender Ellenbogengesellschaft scheinbar nie verlernt, immer ein Auge auf Freunde, auf die Menschen neben sich zu haben und es gibt immer eine starke Schulter oder eine gereichte Hand, wenn das Leben mal voller Stolpersteine ist und den einen oder anderen ins Wanken bringt. Man hilft sich wie selbstverständlich, egal ob im Privaten oder eben wenn es um unser kleines Stückchen Heimat geht. Dabei spielt es keine Rolle was Du bist, was Du hast, oder wo du herkommst. Hauptsache Du hast das Menschsein nicht verlernt und trägst die Werte der immer größer werdenden Unionfamilie im Herzen.

So viele unglaublich schöne und auch traurige, aber immer von Menschlichkeit geprägte Geschichten habe ich mit meinen Unionern erlebt und ich bin mir sicher, dass sie mein Leben und viele meiner Denkweisen nachhaltig beeinflusst haben.

„Wo die Menschen sich mit sich versteh´n, egal ob sie kommen, ob sie geh´n…“

Nicht das ich falsch verstanden werde, auch bei uns geht es um Fußball und wir feiern natürlich euphorisch jeden Sieg, gab es doch Zeiten, in denen Siege in Köpenick eher Mangelware waren. Niederlagen, verpasste Aufstiege oder gar der Gang in eine Spielklasse tiefer änderten aber nie etwas an der bedingungslosen Liebe zu unserem „FC Wundervoll“.

Ja auch bei uns stehen längst Vollprofis auf dem Rasen. Allerdings betrachtet der Unioner diese Jungs nicht wie im restlichen Fußballdeutschland oft zu beobachten, nur als kickende Angestellte des Clubs, sondern sieht auch in ihnen vollwertige Mitglieder der Union Familie. Gib alles und Du gehörst dazu, egal ob auf dem Platz oder auf den Rängen, so wie einst die legendären Schlosserjungs aus Oberschöneweide, deren Geist immer noch im Köpenicker Forst zu spüren ist. So haben viele Spieler ihre Zeit bei uns als etwas Besonderes in ihrer Karriere empfunden und nicht wenige davon wurden vom Union Virus für immer infiziert.

„Einmal Unioner, immer Unioner!“

Ich bin auch heute noch aufgeregt, wenn ich diesen fast magisch anmutenden Ort im Köpenicker Forst betrete und es zaubert mir ganz automatisch ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich mich auf den Rängen umschaue. Da steht der Opa mit seinem Enkel, der Vater mit seiner Tochter, die Anwältin mit ihrem Busfahrer, der Schlosserjunge und seine Ärztin, der Punk neben dem Yuppie aber auch der Kriegsflüchtling neben dem Ur-Berliner. Wir sind bunt, wir sind laut, wir sind einfach wie wir sind und passen in keine vorgefertigte Schublade.

All diese Dinge erzeugen jenes starke „Wir-Gefühl“, welches mir wieder und wieder, auch nach fast vierzig Jahren wie ein geheimnisvolles Knistern auf dem Weg zur Alten Försterei entgegen schlägt.

„Hier is meen zu Hause, hier kricht ma keener weg, die Alte Försterei dit is der einzje Fleck…“

Aber warum erzähle ich das alles?

Der 1. FC Union Berlin hat am 27.05. 2019 ein weiteres großes Kapitel seiner eigenen Geschichte geschrieben. Es ist so oft besungen worden:

„…und so zogen wir in die Bundesliga ein und wir werden auch mal Deutscher Meister sein (irgendwann)!“

und jetzt ist es wahr geworden!

Wir haben uns nach langen und zum Teil sehr schweren Jahren einen Traum erfüllt und jeder einzelne im und um den Verein hat seinen Anteil an diesem kaum zu begreifenden Wahnsinn.

Union ist in die Bundesliga aufgestiegen und wir haben unsere Stadt in einem berauschendem Fest in rot und weiß gehüllt. Es haben viele mit uns mitgefiebert und mitgefeiert und ich bin mir sicher, dass einige davon sich demnächst in unserem Stadion wiederfinden werden.

Jetzt ist es an uns mitzuhelfen, das Versprechen von Dirk Zingler: „Es verändert sich nichts, gar nichts. da müssten wir uns ja ändern“, in Erfüllung gehen zu lassen.

Wir sind es, die den Neuen, den Besuchern, aber vor allem jenen, die bei uns ihre neue Fußballheimat suchen, von uns zu erzählen. Ihnen unsere Geschichte und noch viel mehr unsere gemeinsamen Werte nahe zu bringen. Lasst uns gemeinsam die Bundesliga auf unsere, auf eiserne Art und Weise rocken. Lasst uns dem Geld-Adel und den Vertretern des modern football zeigen, dass wir keiner von ihnen und doch das Wertvollste im deutschen Profifußball sind.

„FC Union du sollst leuchten, wie der hellste Heiligenschein…“

U.N.V.E.U.

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