„In einem Haus aus rotem Stein…“

Jugendwerkhof Dessau

„In einem Haus aus rotem Stein…“

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„Es war am Bahnhof nah bei Dessau,
in einem Haus aus rotem Stein.
Dort verbracht ich meine Jugend,
ohne Licht und Sonnenschein.
Eines Tages kam der Schließer
und er sagte du bist frei.
Tausend Tränen in den Augen,
meine Knastzeit war vorbei.
Refr.
Immer wieder, immer wieder,
Immer wieder FCU
von der Elbe bis zur Isar,
Immer wieder FCU. FCU“
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Beim letzten Heimspiel unseres FCU war es wieder zu hören. Dieses nicht mehr ganz so junge Unionlied, angestimmt von der Waldseite, welches laut durch die Alte Försterei hallte. Als es verklungen war, drehte sich ein guter Freund zu mir um und fragte mich ziemlich ernst: „Was denkst Du wie viele hier noch wissen, wovon sie da gerade gesungen haben?“
Etwas überrascht von dieser Frage, antwortete ich wohl nur mit einem nicht besonders intelligent wirkendem Schulterzucken, aber mir fielen schlagartig die zahlreichen Erzählungen und Zeitzeugenberichte aus einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte ein.
Ich erinnerte mich, dass es sich bei diesem besungenem Haus aus um einen der schlimmsten Jugendwerkhöfe der ehemaligen DDR handelte, das Jugendhaus Dessau.
Eine „deutsche demokratische Einrichtung“, deren propagierter Zweck in der „sozialistische (Um)Erziehung“ straffälliger oder im Besonderen, nicht der sozialistischen Norm und Kultur entsprechender Jugendlicher bestand.
In Wahrheit war es eine höchst brutale und Menschen verachtende Maschinerie, dessen einziger Zweck das psychische Brechen, gefügig und gehorsam machen von nicht ins sozialistische Bild passenden jungen Menschen war. Es bedurfte damals nicht einmal einer gerichtlichen Anordnung, um in solch einem „Kinderknast“ zu landen. Allein das Befinden einer dafür „perfekt geschulten“ Fachkraft der Jugendhilfe reichte aus, um einem jungen Menschen die Jugend und einen Teil der Seele zu stehlen. Nicht selten war auch eine gescheiterte Republikflucht der Grund für eine solche Umerziehungsmaßnahme. Klar, so ein vierzehnjähriger Staatsfeind war ja höchst gefährlich für’s sozialistische Kollektiv!
Der eine oder andere wird sich jetzt fragen, was das alles mit unserem FCU zu tun hat. Nun, recherchiert selber mal ein bisschen und befragt vielleicht den einen oder anderen Altunioner. Vorallem die, die in der Saison des Stadionumbaus kein einziges „Heimspiel“ in jenem Ausweichstadion besucht haben, können davon berichten.

In diesem Sinne
„Immer wieder FCU“!

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