Damals, in den Tiefen der Regionalliga Nordost…

Alte Försterei

Es war Samstag der 18.04. 1998, also vor ziemlich genau zwanzig Jahren, da kamen wieder einmal die Kollegen aus dem Erzgebirge als Gäste zum Fight Schlosserjungs vs. Bergbaukumpel, in den Köpenicker Forst.
Seiner Zeit gewannen unsere eisernen Kicker jenes an längst vergangene DDR Tage erinnernde Spiel gegen die Violetten aus Aue. Ein erst in der zweiten Halbzeit erkämpftes 4:2, durch Tore von Boer (2×), Jank und Fußballgott Ronny Nicol, sicherte uns die vakanten drei Punkte. Die damalige Saison beendete Union etwas später, auf einem ziemlich geschmeidigen sechsten Tabellenplatz.
Es grenzte allerdings in diesen Jahren an ein kleines Wunder, dass überhaupt noch Fußballspiele in der wunderschönen immergrünen Alten Försterei stattfanden.
Nur drei Monate vorher nämlich, hatte uns ein gewisser Michael Kölmel gelinde gesagt den Arsch gerettet. Wenn man es etwas feiner ausdrücken möchte, dann sorgte er mit einem ziemlich großen Scheck für den Fortbestand unseres 1.FC Union Berlin.
Auslöser für dieses sicher nicht ganz uneigennützige, aber doch wohl riskante Investment, so erzählte Kölmel selbst, war eine Demo von rund 3.000 Unionern im Jahr zuvor.
Dreitausend Eiserne wollten sich in diesen wirklich dunklen Tagen eiserner Nachwendegeschichte keinesfalls damit abfinden, dass unser Verein womöglich aufhören sollte zu existieren. So machten sie vom Alex bis zur Goldelse lautstark und sprichwörtlich „Schulter an Schulter“ auf ein unbedingt zu erhaltendes sportliches Kulturgut Berlins aufmerksam, unseren FCU.
Und obwohl bis heute noch einige schwere Jahre folgen sollten, gibt’s UNS, gibt’s unseren FC Wundervoll zwanzig Jahre später immer noch!
Am Sonntag sind die gekreuzten Hämmer der ehemaligen Wismut wieder bei uns zu Gast und eigentlich müsste man doch jetzt schon in panische Hysterie verfallen, oder? Denn wenn ich vor diesem Spiel, dem Rauschen im journalistischen Blätterwald, oder dem Geblubber im social network meine Meinungsbildung überlassen würde, dann müsste ich derzeit wohl annehmen, dass in der Alten Försterei immer noch der selbe von Bankrott und Selbstauflösung bedrohte Verein aus alten Tagen spielt.
Mache ich aber die Augen auf, dann sehe ich ein bezahltes und wunderschönes Stadion, auf einem Grundstück, dass meinem Verein gehört. Darüber hinaus sehe ich einen Fußballclub, der länger als alle Konkurrenten an einem Stück in der besten zweiten Liga der Welt spielt.
Natürlich sehe ich auch, dass es sportlich gerade weniger rund, dafür eher eckig, kantig und holperig läuft. Und ja, es ist auch nicht zu übersehen, dass sich ein mannschaftlicher Neuaufbau abzeichnet.
Na und? „Immer weiter, ganz nach vorn…“, haben wir in den letzten zwanzig Jahren doch trotz einiger Rückschläge und Neustarts, ziemlich erfolgreich hinbekommen. Ich bin mir sicher, dass auch diesmal unser FCU das sportliche Tief überwinden wird, jeder einzelne im Verein aus gemachten Fehlern lernt und wir gestärkt wieder hohe Ziele angehen werden, auch wenn dazu vielleicht eine Aufbausaison nötig ist.
Dazu wird das Team aber wieder unsere Unterstützung brauchen, denn der einzige Druck der von den Rängen positiv auf die Mannschaft wirken kann, ist der wenn sich das Team in der Pflicht sieht, den unermüdlichen Support durch Leistung auf dem heiligen Rasen zurückzuzahlen. Na und wenn wir einmal wieder auswärts verkacken, dann singen wir eben wir früher „wir sind nur zum feiern hier“
Genug gelabert, jetzt freu ich mich auf Sonntag und jeden einzelnen von Euch Kranken. Lasst uns so laut sein, dass selbst im Wismut Schacht die Stützbalken wackeln. Lasst uns allen zeigen: „WIR SIND UNION“ und das sind wir gemeinsam!

U.N.V.E.U.

PS. gute Besserung SP 9 und Aufstiegsheld Micha Parensen.
Micha ist für mich und sollte für viele andere ein Vorbild sein. So oft wie es ihn schon hart erwischt hat, so oft hat er sich auch immer wieder heran gekämpft und in den Dienst der Mannschaft gestellt.
Das nenne ich Fußballgott!

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