„always look on the bright side of life“ (m)ein Jahresrückblick 2017

Union Herz

Ich kann´s irgendwie noch nicht glauben, aber es ist schon wieder ein ganzes Jahr die Spree hinuntergeflossen. Ungezählte Weihnachtsgänse sind kulinarische Geschichte und viele bereiten sich schon auf´s große Ballern und Böllern zum Jahreswechsel vor.
Für mich wie immer die Zeit, etwas bewusster zurück zu schauen und sich an die Dinge zu erinnern, die dieses Jahr aus meiner Perspektive prägten.
Begonnen hat dieses 2017 wie die letzten Jahre ähnlich, mit keiner friedlichen Silvesternacht.
In Istanbul erschießt ein IS Anhänger 39 Menschen und verletzt siebzig weitere zum Teil schwer. Terror im Namen eines Glaubens oder einer Staatsdoktrin, sollte auch in den kommenden Monaten zum erschreckenden, aber nach wie vor nicht gewöhnbaren Alltag gehören. Im kanadischen Quebec, in St.Petersburg, Stockholm, Aleppo, Manchester, Kabul, Teheran, Brüssel, New York, im finnischen Turku, in Barcelona und mehrfach in London, sterben unschuldige Menschen wegen Verblendung und blindem Hass. In Myanmar versucht eine Regierung die Bevölkerungsminderheit der Rohingya durch Vertreibung und Hunger auszurotten und in der Türkei lässt Adolf Erdowahn weiter jede kritische Stimme mundtot machen, sperrt Journalisten wie Deniz Yücel einfach weg. Auch das ist in meinen Augen Terror, Staatsterror made in 2017.
Weltpolitisch durfte ich dann dieses Jahr auch erleben, dass politisches Karma manchmal eine sehr wachsame und schnelle bitch sein kann. So kündigte Donald Trumbo als Präsi auf Speed, das Klimaschutzabkommen für die Vereinigten Staaten von Größenwahn auf. Die Hurricans Harvey, Irma und Maria, schienen dann tatsächlich die Antwort von Mama Erde an Speedy im Oval Office zu sein.
Wahrscheinlich brauchen wir uns ums Klima aber wirklich keinen Gedanken mehr machen, denn wenn „Captain America“ und der nordkoreanische „Rocket Man“ weiter so mit dem Feuer spielen, wird’s bald schlagartig warm auf diesem Planeten.
Man musste allerdings nicht extra über den großen Teich schauen, um politisches Gewitter zu erleben. Jenes konnte man auch ganz prima in good old Germany.
Anfang Juli beim G20 Gipfel in Hamburg zum Beispiel. Politische Fehlentscheidungen und polizeiliches Kapitalversagen führten in meinen Augen zu der dann erlebten Gewalt. Ich werde immer noch sauer wenn ich daran denke, dass wirkliche Krawallsucher nicht daran gehindert wurden nach HH zu reisen. Die Hanseatische Trachtengruppe hatte vorher ja nur ein Jahr lang geprobt, geübt und manöveriert. Ergebnis: Friedliche Demonstranten mussten als Prügelventil der Vollpfosten in Uniform herhalten und organisierte Krawallos hat man erstmal entspannt machen lassen. Da wurde mal wieder richtig Vertrauen in den Staat geschaffen, oder bestätigt?!
Im September gab´s dann für „Mutti“ wohl unter anderem auch dafür die Wählerquittung. Bundestagswahl… und die beiden „großen Volksparteien“ bekommen sowas von auf´n Sack, dass regieren eigentlich nur noch in einer nicht mehr gewollten, weil gelähmten Konstellation möglich sein wird. Dafür gewinnen Die mit den Parolen, aber ohne Programm. Die, deren Farbe nicht im wirklichen Kontext zu ihren geschichtlichen Wurzeln, aber zur Augenfarbe des „perfekten Menschen“ steht. Na mal schauen welch bunte Muppet Show demnächst unter der Kuppel des Reichstages für politische Realsatire sorgen wird.

Aber auch im wunderschönen Köpenick, bei unserem FCU, wird dieses Jahr als ein ereignisreiches und vielleicht auch etwas verrücktes in die Geschichtsbücher Eingang finden.
Nun bedeutet ja ein kalendarischer Rückblick im Fußball, dass zwei Halbserien unterschiedlicher Spielzeiten betrachtet werden. Und sehr unterschiedlich kamen sie mir in diesem Jahr tatsächlich auch vor.
Zur zweiten Hälfte der Saison 16/17 ist aber eigentlich alles gesagt und geschrieben worden. Nur kurz zusammengefasst, sie war geprägt von den Gefühlen „SO NE SCHEIßE, WIR STEIGEN AUF“ und ganz Union like „ALLWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE“, als das mit dem Klassenwechsel nach oben in den letzten Spielen doch noch in Hose ging.
So wirklich böse waren dann wohl auch nur wenige darüber, wenngleich das eine oder andere Tränchen schon verdrückt wurde. Schließlich mussten im Winter bereits die eisernen Helden Chrissi Quiring, Sören Brandy und Collin Quaner das rot/weiße Trikot abgeben und erlebten das knappe Vorbeischlittern am Aufstiegsplatz nicht mehr als spielende Unioner mit. Aber jeder weiß „Einmal Unioner immer Unioner“.
Sommerpause…! Anschließend hieß es wieder „neue Saison, neues Glück“, und wenn man sich wie die Jahre zuvor wieder etwas verbessern würde, dann „immer weiter ganz nach vorn“!
Union startete mit zwei Siegen in die Saison 17/18 und die Euphorie sowie der Glaube an höhere Ziele, nahmen sofort wieder Gestalt an. Dann aber fünf Spiele ohne Sieg und was vielen jetzt verstärkt auffiel, Union spielte nicht mehr gut. Längst abgestellt geglaubte Schwächen in der Abwehr, im Umschaltspiel, aber auch in der Chancenverwertung waren plötzlich deutlich präsent. Eine anschließende Serie von Siegen gegen nicht allzu schwere Gegner und das Aufrücken auf Tabellenplatz 3, konnten das zunehmende Unwohlsein beim Zuschauen dann temporär aussetzen, aber spätestens nach dem Kick gegen die Jungs vom Hamburger Kiez, war es wieder da.
Überraschend, aber wenn man die Entwicklung der Mannschaft aufmerksam und sachlich analysierte nicht unlogisch, wurde kurz vorm Ost Kracher gegen die Dynamischen, Jens Keller als Trainer freigestellt. Was darauf folgte, war schon ein bisschen unschön, denn gerade medial und von außen wurde sehr undifferenziert auf Union eingeschlagen und manches davon übertrug sich leider auch auf die eigene Fanszene. Es wurde viel von Aufstiegspflicht gefaselt, kaum einer erinnerte sich aber an die Einstandsinterviews des entlassenen Trainers. Nicht ein D.Zingler, sondern ein J.Keller hatte damals massiv über einen Klassenwechsel in Liga 1 als Ziel gesprochen. Für mich persönlich ist jenes Thema durch. Mit Hofi sitzt jetzt ein eisernes Urgestein auf dem Trainerstuhl, welches ja schon mal bewiesen hat, dass er etwas von diesem Job versteht. Allen Kritikern mal als Erinnerung in den Notizblock gehustet: Jener Andre Hofschneider hatte vor JK unseren FCU auf -Tabellenplatz dreizehn übernommen und auf einem grandiosen sechsten an Keller übergeben.
Mein Vertrauen hat Hofi jedenfalls und selbiges gilt auch immer noch für unsere Vereinsführung.
Unser FC Wundervoll fand aber wie alle Jahre zuvor, nicht nur im Wohnzimmer und an Spieltagen statt. Auch in 2017 ereigneten sich wieder so viele Dinge drumherum.
So war es u.a. ein sehr künstlerisch geprägtes Jahr aus eiserner Sicht. In einer durch Internet und e-book geprägten Zeit, entstanden nämlich gleich vier echte rot/weiße Bücher. So richtig auf bedrucktem Papier und zum anfassen.
Mein Favorit wurde davon das Kinderbuch „Mein erstes Unionbuch“, welches im Grunde literarisch eine Aufgabe erfüllt, die uns alten Unionsäcken doch von unseren Altvorderen schon auf die Fahne geschrieben wurde. Nämlich das Weitergeben unserer Werte und unserer Leidenschaft an unsere Jüngsten. Aber auch das Buch von Kultkicker mit Herz und Plauze M17, das „Alles auf Rot“ und natürlich das meiner Freunde Sam und Nussi „Dit heißt Eisern“ haben sich ihren Platz in jeder Union Bibliothek redlich und liebevoll verdient, denn sie erzählen wieder einmal wundervolle Geschichten von Unionern mit und um Union. Literatur ist aber nur eine gelebte Kunstform, Union ist nämlich bunt und vielseitig. Andorra, unser ollet Eckfähnchen mit Biss, hat gemalt als gäbe es kein morgen und auch Sam Paff schuf ein ums andere Mal Bilder, die uns mindestens zum Grinsen brachten.
Aber auch musikalisch gibt’s bei Union jedes Jahr etwas Neues und das nicht nur von der Waldseite.
Ein Lied, welches in diesem Jahr entstand, liegt mir dabei besonders am Herzen.
Es wurde geschrieben, als Ende Mai/Anfang Juni kurz hintereinander die zwei Herzblutunioner Sven Richter und Cornelia Laudamus vom Sensenheini für immer nach oben beordert wurden. „Union vergisst Dich nie“ fasste in Worte was viele von uns fühlten, kaum einem aber zu diesem Zeitpunkt gelang, zu kommunizieren. Dazu gelang es Christoph Thiel eine unwahrscheinlich schöne und berührende Melodie zu komponieren. Nein, Krispins Songs sind ganz sicher keine Stadionhymnen, die einen gegnerischen Fanblock aus dem Wohnzimmer blasen. Aber sie sind in ihrer Message oft lauter, als manches Lied bei uns im Block.
Vielleicht sollte „Union vergisst Dich nie“ für uns… fürs neue Jahr, für die Rückrunde ein Denkansatz sein. Denn genauso wenig wie die Menschen, die sich im Verein oder um ihn herum engagieren vergessen werden, sollten auch wir uns wieder intensiver auf unser Union, unseren Spirit besinnen. Neues zulassen ohne Bewährtes zu verwerfen, Menschen mitnehmen ohne das andere auf der Strecke bleiben. Unsere Werte und unsere Vergangenheit niemals vergessen und auch in Zeiten der Veränderungen sorgfältig auf jenes achtgeben, was den 1.FC Union Berlin zu unserem FC Wundervoll macht. Dann werden wir ewig leben!

In diesem Sinne,
Kommt gut ins Neue, passt aufeinander auf und behaltet den Blick für die Menschen neben Euch!

U.N.V.E.U.

P.S. Danke an alle diejenigen, die dieses Jahr für mich zu einem ganz besonderen gemacht haben. Danke Familie, Danke Freunde, schön das es Euch gibt!

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