7. Spieltag – 1.FC Union Berlin : Holstein Kiel

Erst 20 Minuten Stille und dann ein 18 minütiges Poltern…

Dienstag… ja! Heimspiel an einem kack Dienstagabend und natürlich konnte ich nicht in meiner wunderschönen immergrünen Alten Försterei sein. Mitten in der Woche bekomme auch ich, der sonst jedes verdammte Heimspiel an der alten Anzeige des Wohnzimmers steht, es nicht mal eben geregelt, die vierhundert Kilometer bis zur AF und zurück abzuspulen, ohne am nächsten Tag mit verwirrtem Blick und auf Notstrom laufendem Denkpudding meinen Job zu machen. So ergeht es im Übrigen vielen Fußballbegeisterten an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag, die ihren Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit unterhalb der Woche verdienen müssen.

Mir blieb also nur das Sofa und die Übertragung via pay TV (ich hasse das), um irgendwie doch dabei sein zu können! Das allerdings (einzig) Gute an dieser ungeliebten Art Fußball zu erleben war die Wahrnehmung aus „Kundensicht“, wie gespenstisch und unemotional ein Spiel ohne Support der Fans und in fast perfekter Stille wirkt. Na und aus meiner Sicht, wie weit weg dieses Erlebnis von dem ist, was ich und so viele andere Verrückte von unserem Fußball erwarten. In meinen Augen war es ein sehr wirkungsvolles Demonstrieren dessen was passiert, wenn man die Fans von Verbandsseite aus nur noch als hinzunehmendes, allerdings für die zu generierende Kohle notwendiges Übel betrachtet. So hört und fühlt es sich nämlich an, wenn genau diese Fans dieser Sichtweise überdrüssig werden und in der Konsequenz den Stadien fernbleiben. Daran werden auch die scheinbar mit einem für realitätsfernes Dummschwätzen prämierten Kommentatoren nichts ändern, egal wie oft sie betonen das solche Proteste unsinnig wären. Spätestens dann, wenn das „Produkt Fußball“ langweilig geworden ist, weil immer die selben zwei/drei „optimal“ vermarkteten Vereine die Gravur auf „der Schale“ bzw. „der Felge“ unter sich ausmachen, wenn die Stadien leise bleiben und ein Fußballspiel stimmungstechnisch nicht mehr von einer Partie Snooker zu unterscheiden ist, spätestens dann werden sich vielleicht die Herren Funktionäre im DFB/DFL, in den Medienanstalten und auch die Inkompetenzler in den Kommentatorenstudios fragen, wer denn tatsächlich für ihre Daseinsberechtigung gesorgt hat.

So what, nach zwanzig Minuten war die schaurige Stille dann vorbei und unsere Alte Försterei erwachte zu dem, was wir an ihr und den immer wieder dorthin pilgernden eisernen „Kranken“ so lieben. Völlig unabhängig vom Spielgeschehen, war es mal wieder der lauteste und zugleich schönste Forst in dieser Republik.
Zum Spiel ist viel gesagt und geschrieben worden, deshalb muss nicht alles nochmal aufgekocht werden, jedenfalls nicht alles bis zur 76´sten Minute. Nur soviel, Ballbesitzfußball scheint auch bei Urs Fischer nicht das Mittel der Mittel zu sein, denn den gewannen die Störche statistisch recht klar. Dafür gelang es unseren Kickern aber fast doppelt so viele Torabschlüsse zu generieren und parallel dazu, vorallem in Hälfte zwei, nur wenig klare Chancen beim Gegner zuzulassen. Auch wenn dabei noch nicht alles ganz rund lief, dass Mittelfeld vielleicht noch etwas schneller umschalten, der Gegner etwas höher angelaufen und die in diesem Spiel einzige Spitze etwas präziser in Szene gesetzt hätte werden können, trägt in meinen Augen das Gesehene trotzdem schon eine deutlich erkennbare Handschrift. Selbige wird jetzt, bzw. mit den demnächst zu erwartenden Lazarett-Rückkehrern, noch klarere Züge annehmen, sicherer umgesetzt werden und durch die wachsende Flexibilität Erfolge einfahren. Besonders freut mich aber die deutlich erkennbare positive Entwicklung von Grischa Prömel (cooles und eiskaltes Tor) und Akaki Gogia, die beide nach einem ziemlich durchwachsenem ersten Jahr, gerade richtig in Fahrt zu kommen scheinen. Wenn dieser Trend konstant bleibt, könnten gerade die beiden Jungs uns noch viel Freude machen, so glaube ich zumindest.
Apropos Rückkehrer… Oh man, eigentlich ist das eine Geschichte für sich, die mehr als nur ein paar Zeilen verdient hätte.
Ich bin ganz ehrlich, ich hatte wirklich Bedenken, ob dieser coole Wilhelmshavener Junge es schaffen würde, die siebenmonatige verletzungsbedingte Auszeit mental zu überstehen und ob es ihm gelingt, sich wieder ans Team heran zu kämpfen. Dreißig Wochen ohne Gras unter den Stollen sind schließlich eine verdammt lange Zeit für einen Profi im besten Fußballeralter.
Erst recht, wenn man sich hohe Ziele gesteckt hat und dabei zuschauen muss, wie andere an der Verwirklichung arbeiten.
Ich weiß nicht ob Urs Fischer dies voraus gesehen hat, als er in der PK vorm Spiel gegen die Kieler Störche sagte: „Lasst Euch einfach überraschen!“. Wenn ja, dann wird mir unser Schweizer Coach langsam aber sicher unheimlich. Fakt ist, alle Bedenken erwiesen sich als bullshit und Schnee von gestern, denn mit der Einwechslung unseres Sebastian Polter „Fußballgott“ in jener 76´sten Minute, zeigte er allen das er wieder präsent und nicht nur da ist. Kaum auf dem Rasen fehlte nur das berühmte Quäntchen Glück oder halt ein paar Zentimeter, um mit dem ersten Ballkontakt auch gleich die erste Bude zu machen. Nur vierzehn Minuten später dann dieser Traumpass quer in den Sechzehner, den Grischa Prömel cool und ohne auf einen berechtigten Elfmeterpfiff des Trilleronkels zu hoffen, in die Maschen setzte.
Allein diese zwei Szenen sollten doch ausreichen, um von einem Traumcomeback reden zu dürfen, aber Polti schien das etwas anders zu sehen. Letzte Szene, kurz bevor der DFB Offizielle den ultimativen Pfiff von sich geben konnte, gibt’s nocheinmal einen Zuckerpass von Hartel durch die Gasse der nicht eng genug stehenden Kieler Abwehrspieler auf den perfekt einlaufenden Polter. Kurz den Ball mitgenommen und abgeschlossen, doch irgendwie kommt der Störche Keeper da noch ran, der Ball springt aber zurück zu unserer Nummer 9. Kurz mit dem Rücken zum Tor abgeschirmt und mit der Brust angenommen, Fallrückzieher…. bäääääääm!!!!! Tooooor Sebastian Polter, Comebackgott!
Ein Treffer, der auf dem Rasen und genauso auf den Rängen Emotionen pur an diesem kack Dienstag auslöste. Emotionen, die nur möglich sind, weil Menschen die Stadien füllen, die mit Herz und Leidenschaft und nicht weil sie sich „das Event“ leisten können dabei sind.
Menschen die diesen Sport und ihren Verein lieben und die eben solche Geschichten unseren Kids und Enkeln erzählen, genau wie es einst unsere Altvorderen taten.
„… und wir lieben unser’n Club und wir sind stolz auf ihn, FC Union aus Berlin!“

Zum Schluss noch eine kleine preview:
Am Montag, super… schon wieder ein Spiel in der Woche! An dieser Stelle kann ich mir ein „F… Dich DFB“ leider nicht verkneifen, sorry. Also am Montag, da müssen unsere Jungs dann beim FC Audi Ingolstadt den tabellarischen Platz an der Sonne verteidigen und ich bin mal auf die Pressekonferenz und auf die Antworten von Urs Fischer gespannt. Schließlich stehen ja noch ein paar gute Jungs auf der Liste der bald genesenden Rückkehrer und ich hab nichts gegen eine Wiederholung eines solchen eisernen Fußballmärchens.
Nach meinem Dafürhalten spricht nichts gegen eine Wiederholung des letztjährigen Auswärtsdreiers bei den Schanzern, ich sehe unseren FCU sogar klar in der Favoritenrolle.
Wir können auf jeden Fall mit breiter Brust im Baziland aufschlagen und sollten neben einem klasse Kader auch ausreichend Selbstvertrauen im Mannschaftsbus sitzen haben, um das Ding dort zu rocken.
Mit einem Sieg würde man den Punkteschnitt auf zwei Zähler pro Spiel korrigieren und mit dem steigt man ja bekanntlich… nicht ab!

In diesem Sinne,
U. N. V. E. U.

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