30. Spieltag – FC St. Pauli : 1.FC Union Berlin

Union Fahne

Auswärts, Astra, Arbeitssieg…

Ich hab ein bisschen gebraucht, um meinen Adrenalinhaushalt wieder auf ein normales Level zu bekommen, aber nach drei Beruhigungstagen glaube ich, dass sich der 14.04.18 als einer der wichtigsten Spieltage 2017/18 ins kollektive Uniongedächtnis brennen wird.
Dieses dreiundzwanzigste Aufeinandertreffen des FC St.Pauli und unseres 1.FC Wundervoll, in einer für beide Vereine recht angespannten sportlichen Situation, war nämlich ein ganz besonderes. Beide Teams starteten mit weitaus höheren Ansprüchen in diese Saison und die aktuellen Tabellenplätze werden diesen ganz sicher nicht gerecht. Die Ursachen dafür wurden vielfach diskutiert, müssen jetzt aber für die entscheidene Schlußphase der Saison, endlich aus den Köpfen verbannt werden.
Dieser furchteinflößende rote Strich im unteren Tabellenbereich ist nämlich in bedrohliche Nähe gerückt und beide Vereine haben derzeit nur ein Ziel. Mit aller Gewalt Klassenerhalt!
Ich weiß nicht wie es Euch im Vorfeld dieses Auswärtsspiels ging, ich für meinen Teil hoffte, dass es wenigstens zu einem Punkt reichen möge. Allerdings erwartete ich ein hohes Maß an Verunsicherung, nachdem unsere Jungs in den letzten Spielen neben dem fehlendem Glück auch noch die berüchtigte Kacke am Schuh gebucht zu haben schienen. Immer wieder das Nachsehen zu haben, obwohl man auf dem Rasen zuletzt wieder ordentliche Leistungen ablieferte, immer wieder nicht belohnt zu werden, ging ganz sicher nicht spurlos an der Psyche unserer Elf vorbei. Ausgerechnet jetzt, mussten wir nun auch noch in dieses prestigeträchtige Duell mit den Kiezpiraten gehen. Wie gesagt, im Vorfeld hätte mich ein Punkt bei den Paulianern schon sehr gefreut, aber was dann kam, war einfach nur geil und so verdammt wichtig!
In den ersten 10 Minuten sah ich meine Skepsis bestätigt, denn Pauli begann durchaus druckvoll und hatte gleich zwei satte Chancen auf’m Fuß. Unsere Jungs kamen dagegen erst ein wenig später im Spiel an. In der elften Minute ließ Stevie, quasi als Startschuß, das Hamburger Aluminium einmal kräftig vibrieren. Jetzt folgte ein sehr intensives Spiel mit Chancen und Glanztaten auf beiden Seiten und ich hätte den heute bärenstarken Toni Leistner am liebsten einen fetten Schmatzer auf seine lichter werdende Frisur gegeben, als er Buchtmanns Abschluss noch von der Linie kratzte. Meine Stimmbänder waren schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, als es mit einem Null zu Null und der leisen Hoffnung, dass hier mehr drin war, in die Halbzeitpause ging, denn nicht nur die Jungs in den kurzen Hosen haben 45 Minuten gerackert, wir im Block haben mindestens genau so viele Kalorien beim lautstarken, eisernen und pausenlosen Support verbraucht.
Scheinbar hatte auch der unparteiische Pfeifenheini in der Pause festgestellt, dass unsere Eisernen noch einen besonderen Motivations Bon Bon benötigten, um das Ding hier zu rocken. Also stellte er kurz nach Wiederanpfiff, mal ganz kreativ unseren Marvin Friedrich für die verbleibenden 35 Minuten vom Platz. Was für ein aufmerksamer Schielrichter, denn er hatte scheinbar erkannt, dass dem Rest der unserer Mannschaft mehr Bewegungsspielraum auf dem Rasen verschafft werden musste, damit nicht immer die selben Grashalme platt gelatscht werden.
Im Ernst, mit dem Platzverweis schienen unsere Jungs den „Jetzt erst recht Schalter“ gedrückt zu haben, denn den Kiezkickern gelang fortan nichts zwingendes mehr, uns dagegen immer wieder der eine oder andere Abschluss aus Standards und Kontern und das wohlgemerkt in Unterzahl.
Dann diese wundervolle achzigste Minute….
Vorlage Stevie auf Simon, Schuss, geblockt, Nachschuss wieder Simon, Toooooooooor…..! 

Der ohnehin schon verdammt laute eiserne Gästeblock explodierte förmlich und es regnete Astra Pils im und ohne Becher.
Leck mich am A…., wir führten kurz vor Schluss am Millerntor und ich begann zu beten. Lieber Fußballgott im Köpenicker Himmel, mach dass die eisernen Jungs den längst verdienten und verdammt hart erkämpften Sieg einfahren dürfen und lass den ollen Trilleronkel endlich abpfeifen! Genau das tat die offizielle DFB Pfeife dann dreizehn lange Minuten später auch und es gab kein Halten mehr, weder auf dem Rasen noch im Block.
Emotionen pur, Erleichterung und ungebremste Freude verschafften sich Luft. Die Jungs haben sich endlich belohnt und einen mega wichtigen Dreier für das Verbleiben über’m Strich, aber auch für den notwendigen freien Kopf geholt. Und genau das wurde jetzt gefeiert… richtig gefeiert!
An der Seitenlinie humpelten Micha und Polti zu den siegreichen Kollegen. Da war er wieder, der Spirit der Schlosserjungs und der von einigen in Frage gestellte Teamgeist, sichtbar und lebendig!
„Wir lieben Union jawoll, wir lieben Union jawoll….“
Ich hab nicht auf die Uhr geschaut, wie lange wir erst im einzigen noch gefüllten Block und anschließend im Aufgangsbereich gesungen und gefeiert haben. Es konnten uns letztendlich nur die Ordner (übrigens fair und höflich) davon abhalten, dies noch viel länger zu zelebrieren und „dem Morgengrauen entgegen“ noch zwanzig oder dreißig Strophen folgen zu lassen.
Auch wenn sich der Adrenalinspiegel heute wieder auf einem normalen Level bewegt, sind die Emotionen immer noch present. Ich hoffe jetzt für Samstag, dass unser Team den positiven Schwung dieses Spiels mitnehmen kann und die drei Auswärtspunkte mit einem fulminanten Heimsieg gegen die Heiden aus’m Heim vergoldet. Zum einen wäre dies ein ganz großer Schritt in Richtung Klassenerhalt und zum anderen könnten wir dem FC St.Pauli etwas Schützenhilfe leisten, denn auch sie gehören in diese Liga und es wäre schade auf dieses Traditionsmatch verzichten zu müssen!

In diesem Sinne,
Danke ans Team und alle eisernen Auswärtsfahrer!

UND NIEMALS VERGESSEN….

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