2019, ein ganz persönlicher Jahresrückblick Teil 1/ „Politik und andere alternative Wahrheiten“

Welt 2019

Schon wieder ist ein Jahr wie im Fluge vergangen und wie immer kurz vor der Sylvester Knallerei, setze ich mich mit einer guten Flasche Whisky in meinen Sessel und versuche mich an die Dinge zu erinnern, die für mich dieses 2019 besonders geprägt haben.
Friedlicher als das vorherige Jahr war es wieder einmal nicht, denn auch wenn die Medien etwas müde von der Berichterei aus Krisengebieten schienen, tobten im Nahen Osten und der Ukraine immer noch Kämpfe, unter der wie immer die Zivilbevölkerung am meisten zu leiden hatte. Der Sultan vom Bosporus marschierte ganz ungeniert im immer noch souveränen Syrien ein, und führt dort ganz offen Krieg gegen die im Norden lebenden Kurden. Diese werden wiederum vom einstigen großen Verbündeten „Uncle Sam“ im Stich gelassen. Derselbe Uncle Sam, der unter Androhung von Sanktionen absolute Bündnistreue einfordert, sieht sich hier nicht mehr in der Pflicht, schließlich hat der Kurde im 2.WK auch nicht an der Seite von Stars and Stripes gekämpft und eigentlich ist er ja auch viel gefährlicher als der IS. Man muss wohl wieder einmal feststellen, dass Frieden etwas ist, wozu die Menschheit nicht fähig ist! Vielleicht ist es ja tatsächlich besser, wenn wir uns kurz und schmerzlos einfach selber ausrotten, bevor der blaue Planet des Menschen überdrüssig wird und er ihn wie einst die Dinosaurier, von seiner Oberfläche tilgt.
Im April brennt eine alte Kirche in Paris und ein Aufschrei geht durch die zivilisierte Welt. Im August brennen dann die Amazonas Regenwälder, aber die Schreie dazu, fallen bedeutend leiser aus. Vielleicht war man ja einfach noch zu beschäftigt, einer Bande von „halbwüchsigen Schulschwänzern“ klar zu machen, dass sie mal schön ihr vorlautes Mundwerk halten mögen und sich lieber mit ihren schulischen Hausaufgaben als mit der großen Politik beschäftigen sollten. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass vielleicht unsere Generation die eine oder andere Hausaufgabe noch nicht gemacht hat. Obwohl 🤔, die CO2 Steuer ist auf den Weg gebracht und das (beinahe) umweltfreundliche E-Auto wird über eine staatliche Diesel-Vernichtungs-Kampagne unserer Automobilregierung auf die Straßen politisiert. Läuft doch, und ich glaube, es ist klimatisch betrachtet schon ne ganze Ecke kühler geworden… als noch im August des Jahres. Die Prioritäten der Menschheit scheinen also gesetzt und daran ändern auch ein paar aufmüpfige Schulschwänzer nichts, oder?

Wie hat der Saarland-Erich damals schon gesagt? „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ mochte man auch 2019 meinen, hätte Donald T. aus Übersee nicht wieder seine Psychopharmaka mit den lustigen rosa Pillen vom Dealer aus der 5nd Street verwechselt. Dies sorgt ja alljährlich aufs Neue für großes Entertainment, doch leider zumeist der ziemlich makabren Art.
So kündigt „White House – Mickey Mouse“ mal eben den INF Vertrag und wahrte somit seine Chance auf den Titel des „Rocket Man of 21 Century“. Den Korea Kim hat D.T. als Konkurrenten dabei im Griff, aber der Kreml-Zarewitsch macht es ihm in diesem Titelkampf nicht ganz so einfach, zieht er doch postwendend die gleichen Fäden im selben bösen Spiel. Welch Zufall, dass wenig später die USA den Polen die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern zusagt, die ebenfalls rein zufällig an der Grenze zu Russland stationiert werden sollen.
Wie sang einst die Band Geier Sturzflug: „…besuchen sie Europa, solange es noch steht!“
Jenes war natürlich noch nicht alles, was die internationale Trumpman Show an Highlights bot. „Captain America“ beschloss mal eben so, minderjährige Kinder von Einwanderern unbegrenzt in Haftzentren wegschließen zu können. Klar, hatte er sie doch im letzten Jahr noch unter großem Protest beim Grenzübertritt von den Eltern getrennt, konnte er doch jetzt nicht einfach zulassen, dass sie zu ihren Familien zurückkehren dürfen. Sie könnten ja schließlich noch als Druckmittel dem bösen Mexikaner gegenüber dienen, welcher sich immer noch nicht am Projekt „Amerikas Mauer“ beteiligen möchte. Eins muss man Trump lassen, er hat aus der Weltgeschichte gelernt. Bezahlte der alte Ulbricht den antifaschistischen Schutzwall noch aus der eigenen klammen Staatskasse, lässt Onkel Donald lieber den ausgesperrten Nachbarn dafür löhnen. Clever ist die Blondine aus dem Weißen Haus ja.
Ganz besonders gefiel mir auch die Idee, den Dänen die kleine Insel Grönland abzukaufen. Verständlich, dass Mr. Präsident angepisst den Besuch im Königreich absagte, als die Nordmänner (und Frauen) ihm den blöden Klumpen Eis und Schnee nicht verkaufen wollten. Pfff… wegen ein paar unbestätigten Vermutungen über Bodenschätze und ein paar bedeutungslosen Eingeborenen, wie kleinkariert diese Dänen! Mich verwunderte an dieser Stelle nur, dass es bis dato keine angemessenen Sanktionen für dieses undevote Verhalten gegeben hat. Eigentlich hatte ich erwartet, dass hohe Strafzölle auf z.B. dänischen Matjes, Lakritz, LEGO Bausteine oder Matratzen aus dem Bettenlager erhoben werden würden. Den Italienern hat Trump für deutlich weniger Aufmüpfigkeit knallharte Strafzölle verpasst und das obwohl die USA schon seit den Tagen des antiken Roms (nach Trumps Geschichtsverständnis) mit Italien befreundet ist. Vielleicht hat der Donald im Falle unserer nördlichen Nachbarn ja einfach nur eingesehen, „Dänen juckt das nicht“.
Na wie auch immer, God bless the United States of Assholes!

Aber nicht nur hinterm großen Teich wurde Politik mit wirrer Frisur und einem Schuss Wahnsinn fabriziert. So beschließt im Mai das angelsächsische Brexit Kabinett, noch an den Europa Wahlen teilzunehmen. What? Man wollte doch eigentlich mit dieser Festland-Community nichts mehr am Hut haben, oder? Jenes wurde dann wohl auch Frau May „to much“ und sie übergab das Zepter oder vielmehr die Narrenkappe des Prime Minister, an Boris Johnson, also an Trumps verschollenen Zwilling von der Insel. Dieser handelt dann erneut einen Tschüssikowski Deal mit der EU aus, welcher erwartungsgemäß dieselbe Bruchlandung erlitt, wie der von Frau May. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das was dort im Empire vor sich geht, nicht eine lange vorbereitete und die mit Abstand humorvollste Monty Python Show ist, welche von uns blöden Festland-Europäern einfach nur nicht verstanden wird. Feinster englischer Humor eben. Warten wir also verspannt auf die nächsten lustigen Episoden von Monkey Island und singen bis dahin fröhlich,   „God shave the Queen“!

Wer nun aber glaubte, das uneinige Königreich hätte im Alleingang für europäische Erheiterung gesorgt, dem sei gesagt: „Bienvenue, Welcome und ein herzliches Hallo auf der nationalen Polit-Satire-Bühne“. Das dort gebotene Schmierentheater brauchte sich nämlich ganz und gar nicht hinter den Komödien mit internationaler Besetzung verstecken. Die Darbietungen waren allerdings oft so surreal, dass das Lachen darüber nur ansatzweise gelingen konnte.
So wird gleich im Januar der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland um satte 35 Cent pro Stunde angehoben. Sagenhafte 9,19 € bekommt jetzt der Kurierfahrer, die Friseurin und die nette Dame an der Tanke um die Ecke. Hey, das ist ein Taui netto, wow! Damit liegen wir dann nur noch knapp hinter Irland, aber mit dieser wirtschaftsstarken Industrienation können wir uns auch nur schlecht vergleichen. Also liebe Werktätige, genießt die maximierte Kaufkraft und schwelgt ordentlich in Luxus. Ja ja, „Die schwarze Null muss stehen“, doch in letzter Zeit sah man sie des Öfteren eher sitzend. Kein Wunder, mir würden auch die Knie weich, müsste ich mit ansehen, wie die aktuelle Politik die Menschen verunsichert, wütend macht und weiter in die Arme von radikalen Heilsbringern treibt. Aber wir waren bei den politischen Satire Einlagen stehen geblieben…

Im März beschloss die Bundesregierung, die Bundeswehr noch ein Jahr länger in Afghanistan zu belassen. Ich glaube ganz fest, dass dies nichts mit Sicherheits- oder Außenpolitik zu tun hat, sondern im Grunde ein Ausbildungscamp für unsere uniformierte Hobbybastlertruppe sein soll. Schließlich können unsere Soldempfänger dort vom gemäßigten Taliban oder vom ortsansässigen Mujaheddin lernen, wie man aus zusammengeklaubten Ersatzteilen ein halbwegs fahrbereites Millitärfahrzeug zusammenklöppelt.
Apropos Bundeswehr…  Im Juli übernimmt Annegret-Kramp-Kalaschnikowa von der Flinten-Uschi die vier noch einsatzbereiten Panzer, zwei halbwegs flugbereite Heli´s sowie den in Wilhelmshaven stationierten Achter mit Steuermann, oder anders gesagt: Heer, Luftwaffe und Marine. Darüber hinaus wird ihr das Oberkommando über eine 100.000.000 € Berater Armee übertragen. Berater der Regierung müsste man sein. Ups, da fällt mir ein, dass ich noch dringend das Kompetenzprofil meiner Vita den heutigen Gegebenheiten anpassen muss. Keine Ahnung vom Job und eigentlich auch keinen Bock auf selbigen, schon läuft’s mit dem hochdotiertem Führungsposten. Dieses Konzept hat bei Ursel von Laienhaft ja auch wiederholt und prima funktioniert, wird ihr doch dank der großen Verdienste in der bundesrepublikanischen Politik, der Thron im Europäischen Parlament kredenzt… ähm, ganz demokratisch unter den Hintern gewählt, also geschenkt.
Unsere europäischen Nachbarn waren davon sichtlich begeistert und ich musste tatsächlich etwas schmunzeln, als einer ihrer Vertreter (wohl ein Star Wars Fan wie ich), es scherzhaft als Geburt des ersten intergalaktischen Imperiums bezeichnete.

Wen wundert es bei solch politischem Komödienstadel noch, dass das gemeine Volk seiner nicht minder gemeinen Volksvertreter zusehends überdrüssig wird und verstärkt nach einem alternativen Platz, für die auf Deutschlands Wahlzetteln zu machenden Kreuze sucht. Allerdings weigert sich mein kleines Bisschen Politikverstand, mir manches auch in diesem Jahr gemachtes Kreuz, durch Logik verständlich zu machen. Vielleicht reizt ja einige die Aussicht auf ein neues Reichsautobahn Bauprojekt, ein altbewährtes Konjunkturprogramm, oder die Wiedereröffnung der Kohlezechen. Das klingt schon verlockend, könnte man sich doch dort etwas zur kargen Rente dazu verdienen, quasi „ein bisschen Kohle in der Kohle“ machen. Es kann natürlich auch sein, dass einige jetzt beim Klimaschutz ernst machen, wird doch mit dem an der rechten Stelle gemachten Kreuz, der menschgemachte Klimawandel ganz demokratisch und ganz umweltfreundlich abgewählt. Na ich hab’s ja nicht so mit der großen Politik, deshalb auch genug damit für dieses Jahr, oder mit den Worten des oben erwähnten Europaabgeordneten: „Möge die Macht mit uns sein!“

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